SPD-Gemeinderatsfraktion kämpft um den Erhalt des Krankenhauses Marbach

Veröffentlicht am 23.02.2016 in Fraktion
 

Positionspapier der SPD-Gemeinderatsfraktion (vorgestellt am 18.02.2016 im Gemeinderat)

 

Nach unseren Erkenntnissen ging es bei der Beauftragung des weiteren Gutachtens nicht um eine Abwägung zwischen Bietigheim und Marbach. Vielmehr ging es um eine rationale, vollständige und faire Bewertung des Standortes Marbach durch eine Erweiterung des Krankenhauses verbunden mit dem Ausbau und der Optimierung der Geriatrischen Abteilung und den damit verbundenen Kosten.

Nachdem Herr Landrat Dr. Haas im Jahrespressegespräch im vergangenen Dezember den Krankenhausstandort Marbach in Frage gestellt hat, haben wir versucht, die wichtigsten Gesichtspunkte für den Erhalt des Krankenhauses Marbach zusammenzustellen:

 

  • Obwohl das Gutachten noch nicht vorliegt, werden Kosten von 56 Millionen Euro für eine Erweiterung des Krankenhauses Marbach und 33 Millionen Euro für eine Erweiterung des Krankenhauses Bietigheim-Bissingen genannt. Bisher noch unklar ist die sehr große Differenz. Spekuliert wird, dass die deutlich höheren Kosten beim Krankenhaus Marbach durch einen Umbau und eine Erweiterung im laufenden Betrieb verursacht werden, während in Bietigheim-Bissingen ein separater Neubau angedacht ist.

 

Sollte dies der einzige Kostentreiber sein, müssten die höheren Kosten einer genauen Überprüfung unterzogen werden. Sie erscheint aus jetziger Sicht viel zu hoch und zudem völlig unnötig, denn in Marbach stehen dem Landkreis Flächen zur Verfügung, die parallel zum Betrieb des seitherigen Krankenhauses ebenfalls einen separaten Neubau möglich erscheinen lassen.

 

  • Die Alternative eines separaten Neubaus in Marbach mit anschließendem Abbruch der nicht mehr benötigten Gebäudeteile muss zusätzlich zu den beiden bisher ins Auge gefassten Varianten geprüft werden. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Krankenhaus, nördlich der Panoramastraße, steht eine Fläche mit 6.700 m² zur Verfügung, deren Nutzung für den Bau einer neuen Bettenstation unbedingt untersucht werden muss.

 

  • Professor Martin hat in der Weihnachtssitzung des Kreistages seine Visionen hinsichtlich der Weiterentwicklung der High-End-Medizin in der Kliniken-Holding vorgetragen. Dafür benötigt man finanzielle aber auch räumliche Ressourcen, die es in Ludwigsburg schon jetzt nicht mehr gibt und in Bietigheim-Bissingen nach dem Bau einer Geriatrie nicht mehr in ausreichendem Maß geben würde. Es wäre deshalb auch strategisch richtig, den Standort Marbach zu erhalten und zu stärken und zukünftige Entwicklungspotenziale in Bietigheim-Bissingen zu sichern.

 

  • Die Bevölkerung des Landkreis Ludwigsburg wächst ständig. Die Bertelsmann-Stiftung geht von einem Wachstum von 5,1 % bis zum Jahr 2030 aus. In dieser Prognose vom Juli 2015 kann die gewaltige Zunahme des Zustroms an Flüchtlingen noch nicht enthalten sein. Diese veränderten Bedingungen müssen bei der Bettenplanung unbedingt berücksichtigt werden. Der Bettenbedarf der nächsten 20 Jahre sollte deshalb dringend untersucht und den neuesten Entwicklungen angepasst werden. Nach im Internet verfügbaren Zahlen kann man den Bettenmehrbedarf im Kreis für das Jahr 2030 ohne Berücksichtigung der Flüchtlingsströme auf rund 200 abschätzen.

 

  • Wichtig ist auch die soziale Komponente: Das Krankenhaus Marbach ist im Vergleich zu Ludwigsburg und Bietigheim übersichtlich. Insbesondere für ältere Menschen, egal ob als Patient oder Besucher, stellen die großen Kliniken eine Hemmschwelle dar. Dagegen ist das seit mehr als 100 Jahren bestehende kleine Krankenhaus Marbach, trotz des eingeschränkten Leistungsangebots, den Menschen in Marbach und im Bottwartal vertraut und für viele wesentlich leichter erreichbar.

 

  • Die Belegärzte des Krankenhauses Marbach befürchten bei einem Wegfall der Belegbetten einen Verlust an Patienten aus dem Bottwartal und dem Rems-Murr-Kreis. Insbesondere die Veränderung der Krankenhauslandschaft in dem benachbarten Landkreis hat nach ihren Angaben in der jüngsten Vergangenheit zu einer deutlichen Zunahme an Patienten aus dem Nachbarkreis geführt. Sie machen auch geltend, dass es vertragliche Regelungen mit der Kliniken Holding gibt, die eingehalten werden müssen. Darüber hinaus erscheint eine Planung, die noch vor 2½ Jahren zum Bau eines Ärztehauses mit einem Investitionsvolumen von 12 Millionen Euro führte, bei einer Schließung des Krankenhausstandortes Marbach wenig nachhaltig.

 

  • Der ärztliche Direktor Dr. Marc Müller weist zudem auf die Bedeutung des Krankenhauses Marbach für die Ausbildung niedergelassener Ärzte im Kreis Ludwigsburg hin. Während in den größeren Häusern üblicherweise die Ausbildung zu Oberärzten und Chefärzten erfolge, seien in der kurzen Zeit seiner Leitung bereits etwa 10 Ärzte ausgebildet worden, die sich dann in unserem Landkreis niedergelassen hätten.

 

  • Nicht zuletzt wäre der Wegfall von 120 Arbeitsplätzen für Marbach ungeheuer schmerzlich und der Bestand des vor zweieinhalb Jahren für 12 Millionen Euro gebauten Ärztehauses fraglich.

 

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